Pfarreigeschichte

Wichtige geschichtliche Eckdaten der Pfarreigeschichte

1882 Die "Missionsstation Bülach" wird eröffnet, der erste katholische Gottesdienst im Zürcher Unterland seit der Reformation wird im Saal des Restaurant Rössli gefeiert. Die ganze heutige Kirchgemeinde Dielsdorf gehört zum Missionsgebiet.

1902 Die heutige katholische Kirche von Bülach wird erbaut.

1925 Die Kapelle in Niederhasli wird errichtet.

1944 Der erste katholische Seelsorger (Vikar Zeller) der zukünftigen Pfarrei bezieht sein Quartier in Niederhasli.

1945 Erster Gottesdienst in Dielsdorf - in einem Schulzimmer.

1950 Ein Bauplatz für eine Kirche ist gefunden. Das Geld sammeln beginnt.

1954 Die Pfarrei Niederhasli-Dielsdorf mit 15 Gemeinden wird von der Pfarrei Bülach losgelöst.

1956 Die Kapelle Niederweningen wird eröffnet

1960 Grundsteinlegung der neuen Kirche

1962 Die Pfarrei erhält ihre Kirche, St. Paulus Dielsdorf

1980 Die Ökumenische Kirche im Gemeinde- Schul- und Kirchenzentrum Eichi in Niederglatt entsteht.

1981 Das Pfarreizentrum Arche wird in Niederhasli in den Räumlichkeiten der ehemaligen Neuapostolischen Kirche provisorisch eingerichtet.

1996 Eine Kirchgemeinde Dielsdorf, aber neu in zwei Pfarreien: St. Paulus Dielsdorf und St. Christophorus Niederhasli

1999 Das neue Pfarreizentrum hinter der Kapelle in Niederhasli wird gebaut.

2011 Das neue Pfarreizentrum an der Buchserstrasse 14 wird in Betrieb genommen.

2012 Das neue Pfarreizentrum wird im Rahmen der 50-Jahr-Feiern eingeweiht.

 

Pfarrei-Jugendarbeit Chronische Darstellung 1964-1984

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Übersicht 1964-2011 Download PDF

 

Geschichtlicher Rückblick von Casimir Meyer, erster Pfarrer von Dielsdorf (aus der Broschüre zur neuen Kirche von 1962)

casimir.jpgWie aus der alten Urkunde hervorgeht, die am 18.Juni 861 von einem Mönch des Klosters St. Gallen im Auftrag des damaligen Abtes Grimald geschrieben wurde, stand zu jener Zeit in Dielsdorf, dessen Name in diesem Schriftstuck zum erstenmal erwahnt wird, bereits ein Gotteshaus, das vom Kloster St. Gallen erbaut worden war und von dort auch seinen Seelsorger ernannt bekam. Auf Grund dieser Urkunde, die sich im St.-Galler Stiftsarchiv befindet, feierte Dielsdorf am 11.Juni 1961 in würdiger Weise das Jubiläum seiner 1100jährigen Existenz.
Diese Kirche in Dielsdorf, die wahrscheinlich zur Zeit der Urkundenabfassung schon einige Jahrzehnte stand und von der man leider nicht weiß, wem sie geweiht war, wurde im Lauf der Jahrhunderte wiederholt umgebaut und erneuert - um 1300 im frühgotischen, zwischen 1480 und 1489 im spätgotischen Stil -, aber immer an der gleichen Stelle, wie Ausgrabungen anläßlich der letzten Renovation von 1956 ergeben haben.
An diese älteste Geschichtsperiode von Dielsdorf, die immerhin 700 Jahre dauerte, schließt nun die neuerbaute St.- Paulus- Kirche wieder an. Denn die katholische Kirche ist immer sehr traditionsverbunden gewesen, wenn sie auch heute ihre Kirchen nicht mehr im basilikalem, romanischem, gotischem oder Barockstil erbaut, sondern im Stil des 20.Jahrhunderts.
In der Zwischenzeit kam die Reformation, die während rund 300 Jahren alles Katholische im Kanton Zürich zum Verschwinden brachte und unter deren Herrschaft es im Kanton unter Strafe des Verlustes der Bürgerrechte verboten war, den katholischen Glauben zu bekennen oder auch nur als Protestant eine Mischehe mit einer Katholikin zu schließen.

Erst am 10. September 1807 stimmte der Kleine Rat von Zürich der Wiedereinführung des katholischen Kultus zu. Kurz vorher hatte der Kanton durch Eingliederung der katholischen Gemeinden Dietikon und Rheinau sein Gebiet erweitert und den beiden Gemeinden die freie Ausübung ihrer Religion zugesichert. Nun gewährte er auch den Katholiken der Stadt auf deren Eingabe an die Regierung hin das gleiche Recht und überließ ihnen die kleine St.-Anna-Kapelle zum Gottesdienst.
Die Zahl der Katholiken betrug damals allerdings im ganzen Kanton keine 1000, Dienstboten und Saisonarbeiter inbegriffen, in der Stadt höchstens 50.
Mit der neuen Bundesverfassung im Jahr 1848, die jedem Schweizer das Recht der freien Niederlassung gewährleistete, begann nun aber eine bedeutsame Abwanderung aus den katholischen Bergkantonen, deren karger Boden seine Bewohner nicht mehr alle ernähren konnte, in die aufstrebenden Industrieorte, besonders in den Kanton Zürich, wo Tausende Arbeit und Brot fanden, aber auch mithalfen, Zürich zum Kanton mit der größten Bevölkerungszahl und die Stadt Zürich zum wirtschaftlichen Zentrum der Schweiz zu machen. Doch eines fanden diese zugezogenen Katholiken im Kanton Zurich nicht: katholische Seelsorger und katholische Kirchen. Denn noch in den sechziger Jahren gab es für ihre auf über 4000 angewachsene Zahl in den rund 150 Gemeinden des Kantons keine anderen Gotteshäuser als die schon genannten von Dietikon, Rheinau und Zürich, wovon das letzte 1873 noch an die Altkatholiken verlorenging.
So war auch das Zürcher Unterland vor 100 Jahren für die Katholiken ein völliges Niemandsland ohne Priester und ohne Kirche. Als sich dann bei der Volkszählung von 1880 herausstellte, daß in den beiden Bezirken von Bülach und Dielsdorf über 1000 Katholiken lebten, wurde von Pfarrer und Dekan Pfister in Winterthur, wo inzwischen auch eine katholische Kirche entstanden war, die «Missionspfarrei Bülach» gegründet und 1902 dort die Dreifaltigkeitskirche für die rund 40 politischen Gemeinden dieses riesigen Gebietes gebaut.
Da das natürlich nicht genügte, errichtete Pfarrer Imholz 1925 die St.-Peters-Kapelle in Embrach und das Muttergotteskirchlein in Niederhasli. Und wieder 25 Jahre später folgten unter Pfarrer Mundweiler das JudasThaddäus-Kirchlein in Eglisau und dasJosephs-Kirchlein in Glattfelden.
Im Jahr 1944 übernahm Vikar Zeller, von Bülach nach Niederhasli verpflanzt, die Seelsorge des ganzen südwestlichen Drittels der Pfarrei, feierte 1945 in Dielsdorf, das eine immer größere Zahl von Katholiken aufwies, zum erstenmal im alten Schulhaus Gottesdienst, und bald zeigte es sich, daß auch dieser Bezirkshauptort in absehbarer Zeit Standort einer neuen Kirche werden musse.
Zu deren Patron wurde der Apostel Paulus bestimmt als Pendant gleichsam und Ergänzung zum Patronat Petri der Kapelle in Embrach.
Doch nachdem 1950 in Dielsdorf ein günstiger Bauplatz erworben werden konnte und Vikar Zeller im Herbst 1952 in Vikar Meyer einen Nachfolger erhalten hatte, trennte Bischof Christianus am 1.Januar 1954 das ganze Gebiet von Niederhasli-Dielsdorf mit seinen 15 politischen Gemeinden von der Pfarrei Bülach ab und machte es zu einer eigenen, selbständigen Pfarrei. 1956 wurde auchin Niederweningen in der alten Turnhalle, die den Katholiken von Fräulein Margrit Bucher in großherziger Weise zur Verfügung gestellt worden war, eine weitere Kapelle eröffnet.
So besaß die junge Pfarrei nun drei Gottesdienststationen, aber in ihrem Mittelpunkt, in Dielsdorf, keine Kirche. Ihr Bau wurde immer dringender, da das Zimmer im Schulhaus bald nicht mehr alle Gläubigen fassen konnte - die Pfarrei zählte jetzt bereits über 1500 Seelen - und weil das Wachstum der Pfarrei einen zweiten Geistlichen erforderte, was den Bau eines neuen, größeren Pfarrhauses zur Voraussetzung hatte.
Darum konzentrierte sich die gemeinsame Anstrengung immer mehr auf diesen Kirchenbau. Nach 10jähriger Sammeltätigkeit mit Bettelbriefen, Bettelpredigten und der dreimaligen Abhaltung eines Bazars war allmählich so viel Geld zusammengekommen, daß 1960 mit dem Bau der Kirche nach den Plänen von Dr.Justus Dahinden, Zürich, begonnen werden konnte und daß sie heute vollendet dasteht: als eine edle Wohnung für Gott, den Allerhöchsten, als ein Zelt zu Ehren des heiligen Zeltmachers Paulus, als ein wohlabgegrenzter Raum zur Darbringung des großen Versöhnungsopfers des Neuen Bundes, aber auch als eine erwünschte Raststätte zu täglicher stiller Einkehr und seelischer Erhebung für uns arme Erdenpilger, deren endgültige Wohnung sich ja nicht auf dieser Welt befindet, ein Campingplatz Gottes sozusagen, wo man immer wieder Entspannung und neue Kraft findet zum mutigen und frohen Weiterschreiten auf dem Weg zur ewigen Heimat.
Das alles und noch viel mehr muß heute eine Kirche sein. Darum freut sich heute auch die ganze Pfarrei, daß dieser langgehegte Wunsch nun in Erfüllung gegangen ist.
Es sei deshalb an dieser Stelle all den vielen Wohltätern und Mitarbeitern von nah und fern von Herzen gedankt für ihre Hilfe, mit der sie zur Verwirklichung dieses Gotteshauses beigetragen haben. Dazu gehört auch die Inländische Mission, ohne die das Leben unserer Pfarrei jahrelang undenkbar gewesen wäre. Heute allerdings sind wir Katholiken ja staatlich anerkannt, haben offizielles Steuerrecht und erhalten sogar staatliche Beiträge, so dass unser Dasein eine ganz erhebliche Veränderung und Verbesserung erfahren hat. Auch schätzen wir es ausserordentlich, dass uns die Gemeinde Dielsdorf 10000 Franken zum Kirchenbau spendete, und auch der grosseTeil der übrigen Politischen Gemeinden der Pfarrei schöne Summen zu diesem Zweck stiftete.
Möge nun die St.-Paulus-Kirche diesen allen und auch den Gläubigen der ganzen Pfarrei zum Segen werden und mithelfen, das Verhaltnis zu unseren christlichen Mitbrüdern reformierten Glaubens immer verständnisvoller und freundschaftlicher zu gestalten.

Casimir Meyer, Pfarrer

Texte aus der Festbroschüre zum Jubiläum 40 Jahre Kirche (2002)

Ein langjähriges Pfarreimitglied erinnert sich....
von Marie Kälin, Niederweningen

Im untersten Zipfel des Bezirks Dielsdorf wohnten fünf katholische Familien um das Jahr 1920. Die übrigen Gemeindemitglieder waren evangelisch. Das Tauffest eines Neugeborenen ist heute ein grosser Tag. Damals mussten sich die Eltern erstmals die Frage stellen, wer tauft unser Kind? Je nach Beziehungen brachte man die Kinder nach Lengnau, Ehrendingen oder Schneisingen zur Taufe, so kam es vor, dass Geschwister an verschiedenen Orten getauft wurden! Die grossen Schwierigkeiten begannen aber erst, als die Kinder zur Schule und in den Religionsunterricht mussten. Eigentlich gehörten wir zur Pfarrei Bülach, beinahe 20 km entfernt und uns allen fremd! Man bat also das Bistum Basel, ob man uns erlaube, in Schneisingen unsere Christenpflicht zu erfüllen, es war damals die einzige Lösung. Wir feierten also dort unsere Erstkommunion und besuchten jeden Sonntag die Christenlehre. Wie so ein Sonntag aussah, kann man sich überhaupt nicht mehr vorstellen. Nur ein Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr, wobei keine Kommunion ausgeteilt werden durfte. Wir mussten also nur um zu kommunizieren, Sonntags Morgen zwischen 6 und 7 Uhr in der Pfarrkirche sein, da wurde dann die Hl. Kommunion ausgeteilt. Frühmesse gab es nicht, laut Kirchengebot war aber ein Sonntag ohne Hl. Messe eine schwere Sünde! Dank lieber Menschen durften wir nach der Hl. Kommunion irgendwo zu einem kleinen Zmorge, und in eine warme Stube, bis die Sonntagsmesse begann. Dieses Frühstück war natürlich wichtig, war man doch laut Kirchengebot seit Mitternacht ohne Nahrung. Sonntag Nachmittag war die obligate so genannte "Christenlehre", also für uns nochmals eine gute halbe Stunde hin und eine halbe Stunde zurück, - der Sonntag war für uns vorbei!
Die Schule besuchten wir natürlich in unserer Gemeinde, obwohl der damalige Pfarrer von Schneisingen uns den festen Rat gab, nicht mit den Andersgläubigen zu reden, da wir so an der Seele Schaden nehmen würden! Welch eine Voraussetzung für uns Schüler, die wir unsere Mitschüler liebten und beinahe den ganzen Tag mit ihnen verbrachten, und in der Klasse ganz allein "katholisch". Zum Glück halfen uns unsere Mütter mit viel Trost und guten Worten über diesen Konflikt hinweg. Tränen flossen aber trotzdem! Ganz schwierig wurde es, wenn auch in der Schule von Seiten der Lehrer oder Lehrerin wir die Verachtung unseres Glaubens zu spüren bekamen. Und das gab's. Eine kleine persönliche Geschichte: In der Sekundarschule mussten wir Mädchen das Schwimmen lernen. Zu diesem Zweck mussten wir per Velo (wer keines hatte, bekam eines zur Verfügung) auf den staubigen Strassen nach Mettmenhasli fahren, dort gab es damals schon eine kleine primitive Badeanstalt. Mit 70 Jahren an einer Klassenzusammenkunft zeigte eine Mitschülerin Photos, die damals vom Lehrer gemacht wurden. Ich schaute entsetzt hin und fragte meine Mitschülerinnen: "Ja was war denn da los, bin ich krank gewesen oder was?" Alle Mädchen waren im Wasser, ich sitze auf einer Bank und bade meine Füsse. Ja, meinten alle im Chor, "weisst du denn das nicht mehr, du bist doch katholisch und durftest nicht baden!" Jetzt erinnerte ich mich, meine Mutter nahm das Verbot des Pfarrers ernst, obwohl sie wusste, wie schwer es mir zu Mute war! Nicht auszudenken war damals ein Besuch in der evangelischen Kirche oder ein Katholik in der Gemeindebehörde. Die Mutter einer der fünf katholischen Familien wurde eingeladen zur Hochzeit ihres Bruders. Diese fand in der reformierten Kirche statt, weil die Braut evangelisch war. Die Schwester ging zum Pfarrer um die Erlaubnis zu bitten, an dieses Hochzeitsfest zu gehen, die Bitte wurde abgelehnt!
Mit der Zeit aber besserte sich vieles im Zusammenleben, ohne das Wort zu kennen, lebten wir bereits in der Oekumene. Es begann die Zeit, wo wir in Dielsdorf oder Niederglatt Gelegenheit hatten, in einem Schulzimmer Gottesdienst zu halten. Wir gehörten immer noch zu Schneisingen, die waren aber froh beim Gedanken, dass es vielleicht bald eine Wende gäbe. In Niederhasli war offiziell unsere Kirche, per Velo oder Eisenbahn war auch sie für uns erreichbar. Im Jahre 1952 kam Pfarrer Meyer als Vikar nach Niederhasli, im Jahre 1954 übernahm er als Priester 15 politische Gemeinden von der Pfarrei Bülach und wir wurden eine eigene Pfarrei - aber ohne Kirche! Dank grossem Einsatz von Pfarrer Meyer und jungen Kräften aus unseren Familien, erhielten wir von der Gemeinde Niederweningen die Erlaubnis, in einem alten Schulhauszimmer Gottesdienst zu halten. Am 29. November 1953 feierten wir das erste mal in unserer Gemeinde Hl. Messe. In einem Brief an uns Katholiken schrieb Pfarrer Meyer, dass die Hl. Messe abends um 18 Uhr stattfinde. Er schrieb weiter, dass der Bischof von Chur für uns einige spezielle Bewilligungen erteilt habe, so z.B. eine Hl. Messe am Abend zu feiern, das war sonst nicht erlaubt, dass wir von 15.00 an nüchtern bleiben müssen, um dann um 18.00 zu kommunizieren. Weiter betonte unser Pfarrer im Brief, er hoffe sehr, dass niemand sich stosse an der Armseligkeit des Lokals, denn Christus sei auch in einem armen Stall zur Welt gekommen, also dürfen wir Ihn auch hier empfangen. Unsere Freude war gross - für den nimmer-müden Pfarrer war das alles eine grosse Belastung. Am Morgen Gottesdienst in Niederhasli, - Nachmittag Andacht in Niederhasli und abends noch Gottesdienst in Niederweningen. Im Jahre 1956 wurde die alte Turnhalle mit grossem freiwilligem Einsatz von unseren Männern und Frauen zu einer kleinen, aber heimeligen Kapelle hergerichtet, was für eine Freude für uns alle!
Pfarrer Meyer, wir nannten ihn unter uns liebevoll "de Casimir", ein temperamentvoller, nimmermüder Kämpfer, bereit für alles, um seinen grossen Wunsch, eine eigene Kirche, zu verwirklichen. Bis zum äussersten opferte er seine Kräfte für dieses Werk.
Zum Schluss noch eine kleine Geschichte. Am 3. Februar 1957 kam mein viertes Kind zur Welt. Es war Sonntag, nach der Messe überbrachte mein Mann dem Priester die gute Nachricht. Gleich nachher kam er zu mir, setzte sich neben mein Bett und sagte: "Ach, es ist mir so nicht recht, ich kann am nächsten Sonntag ihr Kind nicht taufen. Wissen Sie, ich bin halt wieder weg auf Bettelpredigt für unsere zukünftige Kirche". Man taufte damals so schnell wie möglich und immer nur am Sonntag während oder nach dem Gottesdienst. Er drückte nochmals sein Bedauern aus, dann griff er in seine Rocktasche, zog zwei Kerzen heraus und sagte " So, dafür gebe ich jetzt ihnen und dem 4 Stunden alten Kindlein den Blasiussegen!" das war unser Pfarrer - wir waren endlich als Katholiken "daheim".

Erinnerungen an meine Mitarbeit in unserer schnell wachsenden Pfarrei
von Anita Krebser

Meine erste Erfahrung war, dass der Sonntagsgottesdienst im Schulhaus stattfand. Die jetzige Pfarrkirche war bereits im Bau und zur Finanzierung wurden Bazars durchgeführt. Es war für mich selbstverständlich, einen Beitrag zu leisten.
Bei den Kontakten im Zusammenhang mit der Erstkommunion des ersten Kindes hörte ich von Pfarrer Casimir Meyer, dass solche Mütter in den Frauenverein gehören, dem ich dann tatkräftig Folge leistete.
Mit dem Wechsel von Pfarrer Meyer zu Pfarrer Josef Leber und auch weil die Pfarrei ständig wuchs, wurde eine Personenkartei nötig, da der Pfarrer seine Schäflein nicht mehr alle persönlich kannte. Es waren viele Stunden in den Gemeindebüros von Niederweningen bis Oberglatt nötig, bis eine einfache Kartei zur Verfügung stand, die immer umfangreicher wurde und bis zur Einführung des ersten Computers gute Dienste leistete. Manchmal musste auch die Pfarrköchin für Administratives einspringen.
Immerhin gab es dann für einige Zeit Vikare.
Der Religionsunterricht wurde zuerst von den Geistlichen erteilt, dazwischen auch mit Hilfe einer Katechetin aus Glattbrugg. Als sich diese Katechetin aus familiären Gründen zurückzog, stellte sich die Frage, wer diese Lücke ausfüllen könnte. Da kam die Anfrage der Seelsorger an die Frauen und Mütter. Bedenken wurden ausgeräumt mit der Begründung, eine Mutter könne sicher viel besser Religionsunterricht erteilen. Gerade wurde von der Zentralkommission Zürich ein erster Kurs für Hilfskatechetinnen (in Ingenbohl!) für den Unterricht der 2.-Klässler und für die Vorbereitung zur Erstkommunion angeboten, den ich besuchte. Weitere Ausbildungen für die Betreuung der HGU-Mütter und das Unterrichten in der Mittelstufe folgten.
Katechetinnen sind besonders nahe am Pfarreileben. So war auch Mithilfe bei der Firmvorbereitung gefragt, sowie Kochen in Lagern, Einsätze bei Apéros und Pfarreifesten und vieles mehr.
Meine Mitarbeit in der Pfarrei war für mich nie einfach nur Arbeit, sondern ein Dienst, der grosse Befriedigung mit sich bringt.

 

Eine ehemalige Sekretärin erinnert sich
von Marie Louise Keller

Vor ca. 16 Jahren trat ich meine Teilzeitstelle im Sekretariat der Pfarrei an. Für mich eine ideale Stelle, da ich im Dorf arbeiten konnte und so für meine Kinder im "Notfall" zu erreichen war. Ich begann meine Arbeit zu einer Zeit, als sich nicht nur in unserer Pfarrei, sondern auch an vielen Orten im Kanton Zürich zwischen verschiedenen Gruppierungen Spannungen zeigten. Ausdrücke wie "konservativ", "progressiv" etc. polarisierten und brachten Unruhe. Die mehrmaligen Seelsorgerwechsel waren für unsere Pfarrei sehr schwierig. All dies wirkte sich auf die Sekretariatsarbeiten aus, ist doch ein Sekretariat Anlaufstelle für vielerlei Sorgen, Ängste, Beschwerden und Wünsche. So waren wir alle froh, als sich die Situation beruhigte.
Trotzdem denke ich gerne an meine vielseitige Arbeit im Sekretariat zurück. Die Zusammenarbeit mit den Seelsorgern und Seelsorgerinnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern war in der Regel erfreulich und befriedigend. Den Kontakt mit vielen Pfarreiangehörigen und mit den reformierten Kirchgemeinden empfand ich als grosse Bereicherung.
Neben allgemeinen Büroarbeiten gab es auch Neues, Unbekanntes zu erledigen, z.B. die handschriftlichen Eintragungen der Taufen, Firmungen, Hochzeiten und Todesfälle in die grossen Pfarreibücher. Auch die Umstellung der Pfarreimitglieder-Kartei von zwölf Karteikästen voller Karten in die elektronische Mitgliederverwaltung war ein grosses, arbeitsintensives Projekt. Später wurde unsere weitläufige, damals ca. 8'000 Mitglieder zählende Pfarrei in die beiden Pfarreien St. Paulus Dielsdorf und St. Christophorus Niederhasli geteilt. Nun entstand auch in Niederhasli ein Sekretariat und die anfallenden Arbeiten wurden nach und nach aufgeteilt. So war dafür gesorgt, dass es uns Sekretärinnen nie langweilig wurde.

 

Interview mit Pfarrer Josef Leber, zweiter Pfarrer von Dielsdorf (1968-1976), verstorben 2005

Wie haben sie die Pfarrei erlebt in der Zeit ihres Wirkens?
Ich war zwei Jahre zuvor aus Südamerika (Kolumbien) in die Schweiz zurückgekommen, in den Kanton Zürich, wo ich von 1942 bis 49 als Vikar in Herz-Jesu Wiedikon und Tann-Rüti tätig gewesen war. Endlich, als 54-Jähriger durfte ich eine Pfarrei auswählen. Die Auswahl hiess: Dübendorf, Urdorf oder Dielsdorf. Ich fragte Bischof Vonderach, welche der drei Pfarreien am wenigsten Probleme hätte in der Beziehung vom Pfarrer zur Kirchenpflege. Er nannte Dielsdorf und hatte recht damit. Unter Präsident Jakob Haberstroh und der damaligen Pflege konnte man harmonisch arbeiten.

Wie kamen sie mit der Weitläufigkeit des Gebietes zurecht?
Diese kam mir gewünscht, denn ich arbeitete in Kolumbien 10 Jahre lang in Pfarreien von der Ausdehnung von zwei Dritteln des Kantons Zürich, mit Höhenunterschieden von 3500 Metern und mit einer Gläubigenzahl von 20'000 Indios und Mischlingen. Da kamen mir die vier Orte für Gottesdienst und ca. 9 Schulhäuser für Religions-Unterricht gerade recht. Eher Schwierigkeiten hatten etwa die Sonntagsaushilfen, die das Unterland nicht gut kannten. Ein Pater, der mit der Bahn zu Aushilfe kam, war schon in Glattbrugg ausgestiegen und musste dort abgeholt werden. Ich hatte ihn per Telefon informiert, er müsse in Oberglatt umsteigen. Als er dann die Tafel GLATTbrugg gelesen hat, stürzte er Hals über Kopf aus dem Zug.

Wohin hat sich die Pfarrei entwickelt?
Mit dem Wachstum der Katholikenzahl war schon damals die Aufteilung in einen Ost- und einen Westteil immer ein Gesprächsstoff sowohl in der Kirchenpflege wie im Pfarreirat.
Diese Frage führt genau zur Beantwortung der folgenden Fragen:

Das Profil charakterisieren - Ist Dielsdorf überhaupt eine Pfarrei mit Profil?
Der östliche Teil mit der Kirche Niederhasli und der westliche Teil mit dem Wehntal, Regensberg und Bachs bildeten nie eine Einheit, weil sie nach verschiedenen Zentren orientiert waren: (Bülach-Kloten-Zürich und Baden)
Ob die Pfarrei Dielsdorf heute ein Profil hat, kann ich nicht mehr beurteilen.

Aufbruchstimmung des 2. Vatikanums
Bei den jüngeren Generationen der Pfarrei war schon eine gewisse Begeisterung zu spüren. Bei meinem Vikar Leo Wetli war der liturgische Aufbruch eng verbunden mit sozialpolitischem Umbruch und gelegentlich haben wir damals an Ereignissen teilgenommen. (Demonstration gegen den Schah von Persien im Dolder - Reise nach Holland an einen Kongress für Priester und Laien zur Stellungnahme/ zum Konzil - Es begleitete mich der heutige Dr. med. Toni Kälin aus Niederweningen)

Was waren Ihre Ziele und Visionen als Seelsorger für die Pfarrei?
Mein Ziel und Vision war eine vernünftige Teilung der Pfarrei, damit man als Seelsorger einen Überblick über die Pfarreien bekommen könnte und nicht immer ins Schwimmen komme.

Woran hatten Sie am meisten Freude in der Pfarrei?
Am meisten Freude in der Pfarrei hatte ich eigentlich am Religionsunterricht mit den Kindern. Mit einem kleinen Schulbus konnte ich die Klassen in den Aussenstationen am besten erreichen und zusammenführen. Schöne Erinnerungen habe ich auch an die Ministrantenreisen und Ferienlager.

Was hat Ihnen den grössten Ärger bereitet in Ihrer Arbeit?
Es war eigentlich mehr Schreck als Ärger als ich an einem Sonntag Abend ca. eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes in die Kirche ging (der Sakristan konnte an diesem Abend nicht kommen).
Da fand ich die Altartücher auf dem Boden herumliegen. Altarkerzen und Blumenstöcke waren überall auf den Boden zerstreut, die Apostelkerzen im Kirchenschiff zerschmettert und einige Scherben von Scheiben im hinteren Teil der Kirche bedeckten den Boden. Jemand hatte bösartig die Kirche geschändet. Ich rief meinen Vikar, er solle kommen und die Bescherung anschauen.
Ich liess ihn weiter den Schaden feststellen und rannte auf den Vorplatz. Dort glaubte ich noch einen kleinen Jungen aus der Nachbarschaft zwischen den Häusern verschwinden zu sehen. Ich ging in die Wohnung dieser Familie, die ich kannte und es stellte sich heraus, dass dieser Kleine der Übeltäter gewesen war. Seine Eltern kamen mit mir in die Kirche und schauten sich den Schaden an. Sie konnten sich kaum vorstellen, dass das ihr Söhnchen getan habe. Aber immerhin bekannte die Mutter: Sie habe wohl gelegentlich bemerkt, wenn die Kirchenglocken zum Gottesdienst geläutet hätten: "Jetz gönd die chaibe Hüchler wider go bätte."
Punkt 7 Uhr war die Kirche wieder ziemlich aufgeräumt. Nur in der Nähe des Eingangs knirschten unter den Schuhen der Kirchgänger einige Glasscheiben von den Schaukästen.

Erzählen Sie eine lustige Anekdote aus dieser Zeit!
Jedes Jahr gab es erstbeichtende Kinder. Von den Aussenstationen holte ich die Erstbeichtenden mit dem Schulbus ab. Die Oberglatter waren dran. Sie warteten am vereinbarten Punkt auf mich. Nur der Ueli (Namen geändert, da nicht mehr präsent) hatte ein Problem. Er musste den Hund hüten, weil niemand zuhause war. ,,Dann nimm ihn halt mit!" sagte ich.- Er kam natürlich auch mit in die Pauluskirche und war recht artig. Am Schluss sagte ich ernsthaft ,,einer hat noch nicht gebeichtet, der kommt jetzt noch dran."
Ich schubste den Moritz (oder wie er hiess) ins dunkle Beichthäuschen und ging auf der anderen Seite hinein. Ich liess den Moritz ein Weilchen jaulen und dann kamen wir wieder beide heraus. ,,Was hat er gebeichtet?" riefen alle ziemlich laut und ich antwortete seelenruhig: ,,Von euch Kindern darf ich niemandem sagen, was er gebeichtet hat; das ist Beichtgeheimnis. Aber der Moritz ist ein Tier. Der kann eigentlich nicht sündigen. Darum darf ich es auch sagen. Er hat gebeichtet, er habe 3 Cervelats gestohlen, weil sie so gut geschmeckt hatten."

Gab es damals in Dielsdorf schon Oekumene?
Zwischen Andres Boller, dem damaligen reformierten Pfarrer und mir blühte eine echte Oekumene auf. Dies ergab sich daraus, dass ich seinen Grossvater, der reformierter Pfarrer in der St. Jakobskirche in Zürich war, gut kannte. Ich besuchte dort den reformierten Kindergarten, wo der alte Pfarrer Boller fleissig Besuch machte. Wir hatten in der Folge viele ökumenische Trauungen. Auch einige Familien in Dielsdorf lebten echt ökumenisch. So die Familie Holenstein. Vater Holenstein, katholisch, war damals Gemeindepräsident und seine Töchter sangen in beiden Kirchenchören mit. Die Mutter Holenstein was aktives Mitglied der reformierten Gemeinde. In der Familie Hürlimann (Schmiede) wurden die Töchter katholisch und die Söhne reformiert getauft. Alles in Frieden und als aktive Christen.
Zu meinem 40. Priesterjubiläum, das ich in Volketswil feierte, habe ich Pfarrer Andreas Boller mit Familie eingeladen und er hat die Festpredigt gehalten. Er wiederum hat mich als Pfarrer von St. Peter in Zürich am 1. Dezember zu seinem 60. Geburtstag eingeladen. Trotz 28 Jahren Altersunterschied verstehen wir uns als Seelsorger wie Brüder.

War Dielsdorf schon damals so multikulturell gemischt?
Sowohl Italiener wie Spanier waren schon damals sehr gut religiös betreut und hatten ihre festen Gottesdienste, die meist gut besucht waren in der Pauluskirche.
Als während eines italienischsprachigen Traugottesdienstes der Klöppel der grossen Glocke sich löste und durch die Scheiben der Oberlichter über das Dach hinunter donnerte, sollen mehrere der Gäste strahlend gelacht haben in der Meinung, das habe zum Gag gehört, weil Scherben doch Glück bringen. Verletzte gab es keine.

Haben Sie auch etwas von den Dielsdorfern lernen können?
Von den Dielsdorfern konnte ich damals viel lernen. Echt grosszügig verhielten sie sich zum Pfarrwechsel. Die Vereine waren aktiv, besonders der Frauenverein. Es wurde noch Theater gespielt. Konzerte in der akustischen Pfarrkirche waren gut besucht. Es herrschte eine offene Atmosphäre im Pfarreirat und auch in der Kirchenpflege. Eine neue Orgel wurde angeschafft und zum Abschluss meiner Pfarrerepoche durfte ich mit 30 Dielsdorfer Pfarrgemeindegliedern eine dreiwöchige Studienreise nach Kolumbien organisieren. Von denselben Reiseteilnehmern wurden für die Indios von San Juan, meiner früheren Pfarrgemeinde, dreissigtausend Franken zur Elektrifizierung des Dorfes gesammelt. Ja, eine Pfarrei ist zu Vielem und Grossem fähig.

Kath. Pfarrei St. Paulus

Dielsdorf, Steinmaur, Regensberg, Neerach, Bachs,
Schöfflisdorf, Oberweningen, Schleinikon, Niederweningen

Adresse:

Kath. Pfarramt St. Paulus
Buchserstrasse 12
8157 Dielsdorf
Tel. 044 853 16 66
pfarramt.dielsdorf@kath.ch